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Können Stiftungen ihrem Zweck auch in der Vermögensanlage treu bleiben?

14 December 2017

Während gemeinnützige Stiftungen die Verwendung ihrer Mittel in ihren Statuten festlegen müssen, sind sie bei der Verwaltung ihrer Stiftungsvermögen relativ frei und können diese unter Umständen entgegen ihrem Stiftungszweck investieren. So war beispielsweise die Alfred-Nobel-Stiftung in Fonds investiert, die an mehreren europäischen und US-amerikanischen Rüstungsfirmen beteiligt sind. Mit einer geeigneten Anlagestrategie können derartige Interessenskonflikte vermieden werden – teilweise sogar mit besseren Renditen.

Oliver Karius zeigt auf, wie Impact Investments Anlagestrategie und Stiftungszweck in Einklang bringen und neben einer finanziellen auch eine soziale Rendite erwirtschaften.

Die meisten gemeinnützigen Stiftungen haben zwei Wirkungsmöglichkeiten: auf der einen Seite im klassischen Sinne durch die Ertragsverwendung, mit welcher sie ihren Zweck umsetzen; zusätzlich müssen die meisten Stiftungen jedoch auch Erträge erwirtschaften, was die Mehrzahl durch Anlagestrategien betreibt. Geldanlagen sind ethisch nicht neutral und können sowohl positive als auch negative Folgen haben. Somit können gemeinnützige Stiftungen – auch unwissentlich – in Produkte investieren, die den ethischen Stiftungszweck untergraben. Dies muss nicht sein: Es ist nämlich möglich, das Stiftungskapital so anzulegen, dass es im Sinne des Stiftungszwecks arbeitet. In letzter Zeit wurden deshalb vermehrt Diskussionen um zweckorientierte Anlagestrategien (oder englisch «mission-related investing») geführt. Die LGT Venture Philanthropie Stiftung setzt seit ihrer Gründung 2007 eine solche Strategie erfolgreich um.                                                                                                                                      

 
Sowohl Bewusstsein als auch Vorbehalte

Im Rahmen einer Studie wurden kürzlich über 50 gemeinnützige Stiftungen in der Schweiz und Liechtenstein zu diesem Thema befragt. Eine Erkenntnis aus dieser Umfrage war, dass sich alle Stiftungsvertreter über potenzielle Zielkonflikte zwischen ihren Anlagen und ihrem Stiftungszweck bewusst sind. Etwa ein Drittel wendet zweckbezogene Anlagekriterien tatsächlich an. Damit liegen die Stiftungen in der Schweiz und Liechtenstein im europäischen Durchschnitt und etwas vor denjenigen der USA. Verbindliche Vorgaben, wie sie beispielsweise in den Empfehlungen des Swiss Foundation Code festgelegt sind, lehnen die Stiftungsvertreter allerdings mehrheitlich ab. Gründe dafür sind der fehlende externe Druck, die mangelnde Priorisierung des Themas im Alltagsgeschäft, unzureichende Expertise sowie fehlender Mut und Skepsis oder Vorbehalte bei den Stiftungsräten. Ausserdem argumentieren die Befragten, dass Standards zur Implementierung fehlen und bemängeln die Komplexität des Themas. Die Studienteilnehmer befürchten, dass das Anlagespektrum durch das Einbeziehen von Nachhaltigkeitskriterien zu sehr beschränkt und das Risiko erhöht wird. Gleichzeitig äusserten die Befragten in diesem Zusammenhang den Wunsch nach Finanzunternehmen als glaubwürdige Partner, welche mit kompetenter Beratung auf die jeweiligen Bedürfnisse eingehen und Wege für eine ethische und/oder nachhaltige Vermögensanlage aufzeigen.

Umsetzung: Transparenz, Kompetenz und Angebot der Finanzakteure ausbauen

Entscheidet sich eine gemeinnützige Stiftung, ihre Anlagestrategie mit ihrem Stiftungszweck in Einklang zu bringen, gibt es unterschiedliche Strategien: Zum einen können Negativkriterien angewandt werden, die kontroverse Geschäftstätigkeiten (z.B. Waffen, Tabak) aus dem Anlageuniversum ausschliessen. Wer etwas weiter gehen möchte, für den bieten Best-in-Class-Ansätze gute Chancen, d.h. die explizite Auswahl von Unternehmen mit besonders ausgeprägtem Nachhaltigkeitsprofil; zusätzlich gibt es mittlerweile viele Produkte, die «ESG»-Kriterien (steht für Environmental, Social, Governance) in die Investmententscheidung integrieren. Durch Impact Investments – Anlagen welche neben einer finanziellen auch explizit eine soziale Rendite erwirtschaften müssen – kann der Stiftungszweck sogar auf ganz gezielte Art und Weise gefördert werden.

Impact Investments bieten somit eine für Stiftungen besonders attraktive Anlagemöglichkeit. Unsicherheit besteht jedoch oftmals in Bezug auf die konkrete Umsetzung. In Reaktion auf die steigende Nachfrage von Investoren, ihre Tätigkeit mit ihren Werten in Einklang zu bringen, wurde vor diesem Hintergrund das 100% Impact Network gegründet. Die Initiative, die von renommierten Impact Investoren vorangetrieben wird, ermöglicht ihren Mitgliedern, sich zum Thema auszutauschen. Dadurch wird Transparenz geschaffen und die Investoren werden dabei unterstützt, ihre Anlagestrategien auf die Schaffung von Mehrwert für die Gesellschaft oder die Umwelt auszurichten. Neben Impact Investoren sind auch (U)HNWIs, Stiftungen und Family Offices im Netzwerk aktiv. Auch die LGT Venture Philanthropy Stiftung ist Mitglied und konnte zuletzt 96% des verfügbaren Kapitals gemäss dem Stiftungszweck investieren. Mit dem T100 Projekt lancierte 100% Impact eine Langzeitstudie über die Bemühungen seiner Mitglieder. Ergebnisse werden regelmässig publiziert und geben Einblick in Strategien, Machbarkeit und Erfolge. Ausserdem stehen mittlerweile Anlageberater zur Verfügung, welche ihre Expertise zur zweckorientierten Vermögensanlage anbieten.

Ein Hindernis? Eine Opportunität!

Impact Investments ermöglichen gemeinnützigen Stiftungen, ihre Werte auf ganzer Linie zu verwirklichen und somit das verfügbare Kapital optimal im Sinne des Stiftungszwecks einzusetzen. Zusätzlich bieten sie die Möglichkeit, einen Beitrag zu den UNO-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) zu leisten. Hinzu kommt auch ein finanzielles Argument: Entgegen weit verbreiteter Auffassungen können Impact-Investment-Portfolios nämlich sehr wohl mit herkömmlichen Renditen mithalten oder diese bisweilen sogar übertreffen.

Der aktuellste Bericht des T100 Projektes zeigt einen Trend auf: Sowohl die Nachfrage als auch das Angebot an Impact Investments steigen stetig. Wenngleich vor allem in den Bereichen Wirkungsmessung und Vertrauen noch Nachholbedarf besteht, entwickelt sich der Sektor ausgesprochen positiv und es zeigte sich, dass die finanziellen Renditen den Erwartungen entsprechen. Vor diesem Hintergrund sagt das T100 Projekt Impact Investing auch in den nächsten Jahren starkes Wachstum voraus. Gestützt wird diese Einschätzung durch die Tatsache, dass schon bald grosse Vermögenswerte an die nächste Generation, die so genannten «Millennials», übergehen werden. Glaubt man Umfragen, so möchte beinahe die Hälfte der Millenials ihren Reichtum dafür nutzen, anderen zu helfen.

Diese Entwicklungen sollten dazu beitragen, Bedenken seitens der Stiftungsräte gemeinnütziger Stiftungen nach und nach aus der Welt zu schaffen. Aufgabe der Finanzakteure wird es sein, die Verfügbarkeit von entsprechenden Finanzprodukten, Expertise und Beratungskapazitäten so auszubauen, dass es gemeinnützigen Stiftungen künftig leichter fällt, ihre Vermögensverwaltung ihrem Stiftungszweck entsprechend auszurichten.

 
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LGT Impact

Nachhaltigkeit bei LGT

  

Oliver Karius ist Partner bei LGT Impact und der LGT Venture Philanthropy Stiftung und seit der Gründung Teil des Teams. Er hat über 18 Jahre Erfahrung im Bereich Finanz, Nachhaltigkeit und Impact Investing. Bevor er zur LGT stiess, war Oliver Managing Director bei VantagePoint Global, Mitbegründer von DeRisk Advisory Services und Mitbegründer des African Social Entrepreneurship Network (ASEAN). Davor arbeitete er für Forma Futura und als Manager in der Research Abteilung sowie als Senior Sustainability Analyst bei SAM (Sustainable Asset Management)/Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Oliver war zudem für einen der grössten nachhaltigen Investoren Europas tätig, F&C. Er ist Südafrikaner und Deutscher und schloss Studien in Global Environmental Change and Policy (Imperial College London) und Biologie (Ludwig Maximilian Universität) ab.

   
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln zum Thema
„Nachhaltiges Investieren“, die LGT auf ihrer Nachhaltigkeitsseite im Internet veröffentlicht. Folgen Sie LGT auf Linkedin und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Nachhaltigkeits-Beitrag erscheint.