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SRI, ESG, Mikrokredit, Impact Investing – Was ist "nachhaltig investieren"?

02 November 2017

Was bei institutionellen und professionellen Anlegern bereits Mainstream ist, stösst vermehrt auch bei privaten Anlegern auf Interesse. Nachhaltiges Investieren ist gefragt, wie eine Untersuchung des Anlageverhaltens von vermögenden Privatpersonen in der Schweiz, Österreich und Deutschland zeigt.

Das Anlagespektrum – von traditionellen Investitionen bis zu Philanthropie. Eine Begriffsklärung von Dr. Katharina Sommerrock.

Allerdings werden Anleger mit zahlreichen Ansätzen, Fachbegriffen und Abkürzungen konfrontiert, und damit nicht selten verunsichert oder gar abgeschreckt. Gerade für Finanzinstitute gilt, im „Begriffsdschungel“ mehr Transparenz zu schaffen und den Anlegern zu ermöglichen, den für sie passenden Ansatz für Nachhaltiges Investieren zu finden.

Grundsätzlich lassen sich Investitionsmöglichkeiten anhand eines Spektrums zwischen traditionellen Anlagen bis hin zu philanthropischen Engagements kategorisieren.

Bei den traditionellen Investments steht die finanzielle Rendite im Vordergrund. Nachhaltigkeitskriterien werden nicht berücksichtigt.

Eine Stufe weiter bewegt sich der Anleger beim verantwortungsvollen Investieren (oftmals auch als "ethisches Investieren" bezeichnet). Hier werden ethisch und ökologisch kontroverse Anlagen ausgeschlossen, z. B. Unternehmen und Staaten, die kontroverse Produkte herstellen, gegen internationale Normen und Standards verstossen oder den Prinzipien und Wertvorstellungen des Anlegers widersprechen. Man spricht bei diesem Ansatz auch vom sogenannten "Negative Screening". Dabei können auch Anlagen aus bestimmten Sektoren wie z.B. kontroverse Waffen, Tabak, Alkohol oder Nuklearenergie vom Investmentuniversum ausgeschlossen werden.

Von nachhaltigem Investieren (zusammen mit verantwortungsvollem Investieren früher auch als "socially responsible investments (SRI)" bezeichnet) spricht man, wenn nicht nur kontroverse Anlagen ausgeschlossen werden, sondern Unternehmen und Länder hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsleistung analysiert werden. Die Nachhaltigkeitsleistung wird üblicherweise entlang der Dimensionen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) beurteilt (sogenannte ESG-Kriterien).

Bei Unternehmen werden beispielsweise der Ausstoss von Treibhausgasen, Energieverbrauch, Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz sowie die Unabhängigkeit der Aufsichtsgremien bewertet. Im Rahmen der Emittentenbewertung von Ländern werden unter anderem die Unterzeichnung internationaler Konventionen zum Klimaschutz aber auch institutionelle Rahmenbedingungen wie die Einhaltung von Menschenrechten, politische Freiheit, das Rechtssystem und das Ausmass an Korruption berücksichtigt. In der EU müssen börsenkotierte Unternehmen seit diesem Jahr ihre nicht-finanziellen Kennzahlen ausweisen.

Bei nachhaltigen Investments unterscheiden wir verschiedene Ansätze: Beim "Best-in-Class Ansatz" werden nur die hinsichtlich der ESG-Leistungen besten Unternehmen und Länder berücksichtigt, d.h. Unternehmen, die einen besonders sorgfältigen Umgang mit Rohstoffen haben und hohe Standards für die Sicherheit der Mitarbeitenden einhalten. Bei der Integration werden ESG-Kriterien in die traditionelle Finanzanalyse integriert, d.h. es wird geprüft, welchen Einfluss ESG-Themen auf die finanzielle Leistung von Unternehmen oder Staaten haben können. Themenfonds investieren in spezifische Themen mit Nachhaltigkeitsbezug, bspw. Cleantech oder Wasser – auch Mikrofinanz-Fonds werden inzwischen oft diesem Ansatz des nachhaltigen Investierens zugeordnet. Anleger in Themenfonds sollten sich allerdings bewusst sein, dass diese Fonds nicht in jedem Fall auch ESG-Kriterien bei der Analyse der Einzeltitel berücksichtigen.

Beim Impact Investing soll neben einer finanziellen Rendite explizit auch eine messbare soziale und ökologische Rendite angestrebt werden. Es wird gezielt in Unternehmen und Organisationen investiert, deren Geschäftsmodelle konkrete soziale oder ökologische Probleme lösen und ein signifikantes Wachstumspotenzial aufweisen. Ein Beispiel dafür ist das LGT Impact Portfolio. Eine Variante des Impact Investing ist das thematische Impact Investing, bei dem mittels verschiedenster Assetklassen gezielt in Sektoren oder Themen investiert wird, die ein gesellschaftliches oder ökologisches Problem adressieren – ähnlich den nachhaltigen Themenfonds. Beispiele dafür sind Makrotrends wie der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum oder Ernährung.

Am äussersten Ende des Spektrums stehen philanthropische Engagements. Eine finanzielle Rendite wird hier explizit nicht angestrebt. Die soziale und ökologische Rendite bildet die hauptsächliche Motivation der Investition. Hierbei kommen häufig Spenden zum Einsatz, aber auch Investitionen in soziale Organisationen und Unternehmen, bei denen eine reduzierte finanzielle Rendite und ein grösseres Risiko in Kauf genommen wird.

Die Begrifflichkeiten rund um nachhaltiges Investieren mögen zunächst verwirren. Transparenz und klare Kategorisierung zeigen Anlegern jedoch die Vielfalt nachhaltiger Anlagestrategien auf, die es ihnen ermöglicht, je nach persönlicher Situation und Motivation Gesellschaft und Umwelt in ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen.

Interessante Links zum Thema

Swiss Sustainable Finance - Glossar
Swiss Sustainable Finance – Marktbericht 2017
Forum Nachhaltige Geldanlagen – Ansätze
Swiss Sustainable Finance – Marktbericht 2017

 

Dr. Katharina Sommerrock vertritt seit 2013 bei der LGT Themen von nachhaltigem Anlegen im Allgemeinen bis zu Impact Investing und Venture Philanthropy im Speziellen nach aussen und innen. Zuvor studierte sie Betriebswirtschaft und arbeitete acht Jahre lang für die internationale Strategieberatung Bain & Company, wo sie hauptsächlich Finanz- und Private-Equity-Unternehmen beriet. Während dieser Zeit absolvierte sie auch eine Dissertation zu Social Entrepreneurship – ein Thema, das seither fester Bestandteil ihres Berufslebens ist.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Thema "Nachhaltiges Investieren", die LGT in den kommenden Wochen in den Nachhaltigkeits-News veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Linkedin, und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Beitrag erscheint.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Thema "Nachhaltiges Investieren", die LGT in den kommenden Wochen in den Nachhaltigkeits-News veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Linkedin, und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Beitrag erscheint.
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