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Starting up Klimarettung: Wie junge Unternehmen den Klimaschutz zum Zukunftsmarkt machen

21 December 2017

Wer zukunftssicher investieren will, legt sein Geld nachhaltig an. Klima- und Ressourcenschutz, nachhaltige Mobilität, Energieerzeugung und die grüne Veränderung unserer Lebensstile sind keine Modetrends mehr, sondern ökonomische Wachstumsfelder der Zukunft. Zahlreiche junge Unternehmen verbinden deshalb neue Geschäftsideen mit innovativen Nachhaltigkeitskonzepten.

Björn Grindberg (Climate-KIC) erklärt im Interview warum es sich lohnt, innovative Geschäftsmodelle rund um das Thema Klimawandel zu fördern.

Nach den Ergebnissen des Green Economy Gründungsmonitors, gegründet vom Borderstep Institut Berlin in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit der Universität Oldenburg, wurden alleine von 2006 bis 2013 rund 170 000 Unternehmen in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz gegründet und schufen mehr als eine Million Arbeitsplätze. Rund 14% aller Gründungen im deutschsprachigen Raum erfüllen Nachhaltigkeitskriterien. Auch für Investoren wird die Geldanlage in junge Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftskonzept zu einem Zukunftssegment.

Wir sprachen mit Björn Grindberg, Leiter des Startup Accelerators des Netzwerks für Klimainnovationen Climate-KIC, über den Zukunftsmarkt Klimaschutz und die Möglichkeiten, in innovative "grüne Gründungen" zu investieren.

                                                                                                                                

 

Herr Grindberg, wie sieht die Startup-Förderung bei Climate-KIC aus?

Der Climate-KIC Accelerator unterstützt Gründer und junge Unternehmen in der Frühphase ihrer Geschäftsentwicklung. Unser Ziel ist es, innovative Geschäftsmodelle rund um das Thema Klimawandel zu fördern. Dabei geht es nicht nur um Vermeidung von, sondern zunehmend auch um das Thema Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen. Wir nehmen jährlich rund 60 Startups in unser Programm auf und erarbeiten mit ihnen die Grundlagen für den erfolgreichen und nachhaltigen Geschäftsaufbau. An fünf Standorten im deutschsprachigen Raum durchlaufen sie eine Art "unternehmerisches Fitnessprogramm", erhalten Expertise und professionelle Beratung in jedem Stadium ihrer Entwicklung, finanzielle Unterstützung und Zugang zu unserem internationalen Netzwerk.

Können Sie uns Beispiele für Gründungsideen und Startups bei Climate-KIC nennen? 

Seit dem Start unseres Programms haben wir rund 100 junge Unternehmen in vielen Bereichen zur Marktreife begleitet. Ein bekanntes Beispiel ist Volocopter, ein Startup, das elektrisch betriebene Drohnen zur Lösung der Verkehrsprobleme in Mega-Cities entwickelt. Das Gründerteam startete in unser Accelerator-Programm mit wenig mehr als einer Konzeptpräsentation – heute gehört es zu den weltweiten Pionieren für zukünftige Mobilität und ab dem kommenden Jahr werden im Emirat Dubai erste Gäste vom Flughafen in die Hotels geflogen werden. Weniger futuristisch, aber äusserst erfolgreich und klimarelevant ist Thermondo, ein Unternehmen, das das klimafreundliche Erneuern von Heizungsanlagen digitalisiert hat und heute zu den Marktführern in diesem Segment gehört. Green City Solutions hat mit dem City-Tree, einer IoT -unterstützten Mooswand, dem Feinstaub den Kampf angesagt – und damit einem der grössten Gesundheitsrisiken in Grossstädten, das mit dem Thema "Dieselfahrverbote" aktueller ist denn je. Das Startup steht für schlaue Innovationen an den Klima-Brennpunkten unserer Städte und damit stellvertretend für viele unserer Gründerprojekte. Diese drei Beispiele geben einen Eindruck von den vielfältigen unternehmerischen Möglichkeiten in einer klimafreundlichen Ökonomie.

Was sind die Kriterien für Startups, die sich bei Ihnen bewerben? Wie passen Klimabilanz und Wertschöpfung zusammen?

Unser Kernkriterium ist die Verbindung einer tragfähigen Geschäftsidee mit einer nachweislich positiven Klimawirkung. Diese kann direkt oder indirekt erfüllt und auch noch sehr klein sein, aber wir müssen vor allem das zukünftige Skalierungspotenzial sehen. Darüber hinaus stellen wir uns die üblichen Fragen eines Risikoinvestors: Beispielsweise "Ist es das richtige Team?", "Erfüllt das Produkt wirklich ein Kundenbedürfnis?" oder "Sehen wir ein ausreichendes Marktpotenzial?". In Zukunft werden wir zudem eine Bilanz der Klimawirkung aller unserer Portfoliostartups ziehen.

Was können Startups in Sachen Klimaschutz Ihrer Meinung nach bewirken? 

Startups und Neugründungen werden meiner Meinung nach federführend in vielen Bereichen der klimafreundlichen Wirtschaft werden. Sie haben keine Klima-Altlasten und kein Altgeschäft zu verlieren. Und sie haben den Zugang zu und das Verständnis für ein ganzes Arsenal neuer Technologien, um Geschäftsmodelle von Grund auf neu und klimafreundlich zu entwickeln. Auch die Mentalität spricht für sie: Gründer hadern nicht mit Weltproblemen oder führen Diskussionen auf der Meta-Ebene über den exakten Endzeitpunkt des Brennstoffmotors, sondern packen konkrete Probleme vor Ort an und testen neue Lösungen. Das macht sie in ökonomischer und klimapolitischer Sicht zu den Treibern einer neuen Ökonomie.

Was bieten Startups des Climate-KIC-Accelerators potenziellen Investoren? 

Zunächst einmal Zugang zu solide aufgestellten jungen Unternehmen, die durch professionelles Startup-Building einen ersten "Proof of Concept" erbracht haben und auf die Anforderungen von Investoren vorbereitet sind. Das Thema Klimafreundlichkeit ist auch kein Nischenthema mehr, sondern viele professionelle Investoren beziehen dies sowohl in ihre Risikobewertung als auch in die Bewertung von zukünftigen Marktchancen ein. Den Anfang machten skandinavische Pensionsfonds, dann kamen die Family Offices und schliesslich die Corporate VCs, die vor allem strategisch investierten. Und jetzt sehen auch klassische VCs das Potenzial grüner Geschäftsideen.

 Herr Grindberg, vielen Dank für dieses Gespräch!

Björn Grindberg leitet bei Climate-KIC den Startup-Accelerator in der DACH-Region. An der Schnittstelle von Technologie und gesellschaftlichen Herausforderungen hat er mit Startups und Gründern auf drei Kontinenten zusammengearbeitet. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Smart City, Mobilität, Cleantech und Telekommunikation. Das Interview mit Björn Grindberg führte Florian Semle, aktiver Blogger u.a. als Gastautor des LGT Finanzblog und Unternehmensberater für Kommunikation in sozialen Netzwerken.

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Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Nachhaltiges Investieren“, die LGT auf ihrer Nachhaltigkeitsseite im Internet veröffentlicht. Folgen Sie LGT auf Linkedin und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Nachhaltigkeits-Beitrag erscheint.